Was sind Tinnitus-Hörgeräte?
Tinnitus-Hörgeräte kombinieren klassische Hörverstärkung mit Noiser- und Maskierer-Funktionen. Bei Tinnitus mit gleichzeitigem Hörverlust können sie die Wahrnehmung des störenden Pfeifens, Klingelns oder Rauschens deutlich reduzieren - eine Heilung des Tinnitus versprechen sie nicht, wohl aber können sie spürbare Linderung bringen.
Viele Menschen mit Tinnitus beschreiben ein Klingeln in den Ohren, ein Fiepen oder Pfeifen in unterschiedlichen Tonhöhen - andere hören eher ein Rauschen oder Brummen. Solche Ohrgeräusche treten häufig zusammen mit einer Schwerhörigkeit auf, denn Tinnitus und Hörverlust haben oft dieselbe Ursache, etwa einen Hochtonverlust durch Lärm oder Alter.
Wichtig zu wissen: Bei reinem Tinnitus ohne Hörverlust sind Hörgeräte meist nicht die richtige Lösung - hier stehen in der Tinnitus-Behandlung andere Bausteine wie Retraining-Therapie (TRT) und Verhaltenstherapie im Vordergrund. Mit gleichzeitigem Hörverlust ist die Kombi-Versorgung allerdings sehr wirksam. Ergänzend lohnt oft ein breiterer Blick auf mögliche Auslöser: Wie sich Tinnitus ganzheitlich mit naturheilkundlichen Verfahren begleiten lässt, lesen Sie in unserem Ratgeber.
Vor- und Nachteile
+ Vorteile
- Lindert Tinnitus durch Maskierung
- Verstärkt gleichzeitig die Hörleistung
- Wissenschaftlich belegt (TRT-konform)
- Individuell programmierbar
- Auch für Akku-Geräte verfügbar
− Nachteile
- Wirkt nur in Kombination mit Hörverlust
- Gewöhnungsphase 4–6 Wochen
- Höherer Beratungsaufwand
- Nicht für reinen Tinnitus ohne Hörverlust
Top Tinnitus-Modelle 2026
| Modell | Hersteller | Akku | Bewertung | Preis ab |
|---|---|---|---|---|
| Widex Zen | Widex | 22 h | ★★★★★ | 1.490 € |
| Oticon Tinnitus Sound App | Oticon | 20 h | ★★★★☆ | 1.290 € |
| Phonak Tinnitus Balance | Phonak | 24 h | ★★★★☆ | 1.390 € |
| Signia Aktive Pro | Signia | 19 h | ★★★★☆ | 1.190 € |
| Starkey Multiflex Tinnitus | Starkey | 18 h | ★★★★☆ | 1.090 € |
Wie können Hörgeräte bei Tinnitus helfen?
Viele Menschen mit chronischem Tinnitus haben auch einen Hörverlust - oft im gleichen Frequenzbereich, in dem das Ohrgeräusch liegt. Genau hier können Hörgeräte helfen: Moderne Hörgeräte verstärken Alltags- und Umgebungsgeräusche, sodass das Gehirn wieder mehr echte Höreindrücke erhält, die vom Tinnitus ablenken. Die Tinnitus-Geräusche treten dadurch in den Hintergrund und werden von vielen Betroffenen als weniger störend empfunden - in ruhiger Umgebung teils gar nicht mehr wahrgenommen. Zusätzlich kann besseres Hören die Anstrengung im Gespräch verringern; viele Hörgeräteträger berichten, dass dadurch auch der Stress sinkt, der den Tinnitus häufig verstärkt.
Tinnitus-Noiser, Masker und Kombigeräte: Was ist der Unterschied?
- Tinnitus-Noiser: erzeugt ein leises, angenehmes Rauschen (z.B. aus weißem Rauschen oder Meeresrauschen), das den Tinnitus nicht komplett überdeckt, sondern die Hörbahn sanft stimuliert. Ziel solcher Noisers ist, dass das Gehirn lernt, das Ohrgeräusch auszublenden - dieses Prinzip wird auch in der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) angewendet.
- Tinnitus-Masker: arbeitet mit einem lauteren Störgeräusch, das den Tinnitus gezielt überlagern soll. Der Effekt setzt sofort ein, hält aber meist nur während des Tragens an.
- Kombigeräte (Tinnitus-Hörgeräte): vereinen vollwertige Hörverstärkung und Noiser-Funktion in einem Gerät - heute der Standard bei Tinnitus mit gleichzeitiger Hörminderung. Das Rauschprogramm lässt sich beim Hörakustiker individuell auf Tonhöhe und Lautstärke Ihres Tinnitus einstellen, oft auch per App im Alltag regeln.
Kombigeräte gibt es in allen gängigen Bauformen - als Hinter-dem-Ohr-Geräte ebenso wie als diskrete Im-Ohr-Hörgeräte, mit Batterie oder wiederaufladbarem Akku.
Für wen sind Hörgeräte bei Tinnitus sinnvoll?
Die Kombination aus Tinnitus und Hörminderung ist der klassische Fall für ein Tinnitus-Hörgerät: Vielen Tinnitus-Betroffenen, die zugleich schwerhörig sind, kann die Versorgung eine spürbare Linderung der Symptome und ein besseres Sprachverstehen verschaffen. Ob ein Hörverlust vorliegt, klärt ein Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker - eine erste Orientierung bietet unser Online-Hörtest.
Wichtig: Ein chronischer Tinnitus sollte immer zuerst ärztlich abgeklärt werden, idealerweise in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Bei reinem Tinnitus ohne Hörverlust stehen andere Wege im Vordergrund, um den Tinnitus zu lindern - etwa Tinnitus-Retraining, kognitive Verhaltenstherapie, Klangtherapie oder Entspannungsübungen. Anregungen dazu finden Sie im Ratgeber Tinnitus-Selbsthilfe.
Was kostet ein Hörgerät gegen Tinnitus - und was zahlt die Kasse?
Hörgeräte gegen Tinnitus kosten in der Regel nicht mehr als vergleichbare Modelle ohne Noiser-Funktion - viele Hersteller integrieren die Tinnitus-Programme serienmäßig. Die Kosten für Hörgeräte setzen sich aus Kassenzuschuss und Eigenanteil zusammen: Bei ärztlich verordnetem Hörverlust zahlt die gesetzliche Krankenkasse den Festbetrag von 704,37 Euro pro Ohr (zzgl. 10 Euro gesetzlicher Zuzahlung); je nach Technikstufe kommt ein Eigenanteil von einigen hundert bis mehreren tausend Euro hinzu. Auch an reinen Noisern können sich Kassen bei entsprechender Verordnung beteiligen - fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse nach. Alle Details: Hörgeräte-Preise und Kostenübernahme.
Anpassung beim Hörakustiker
Die Einstellung eines Tinnitus-Hörgeräts erfordert Erfahrung: Der Hörgeräteakustiker bestimmt zunächst Frequenz und Lautstärke Ihres Ohrgeräuschs und programmiert darauf abgestimmt Verstärkung und Noiser-Signal. Schon die erste Anpassung kann vielen Menschen mit Tinnitus eine deutliche Erleichterung verschaffen; in der Gewöhnungsphase von mehreren Wochen wird dann in Folgeterminen feinjustiert. Planen Sie diese Zeit ein - gerade bei Tinnitus lohnt sich die sorgfältige Anpassung, idealerweise begleitet durch HNO-Arzt oder Tinnitus-Therapeuten. Schützen Sie Ihr Gehör außerdem vor sehr lauten Geräuschen, damit sich Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche nicht weiter verschlechtern.