Was kann eine Hörgeräte-App?
Die Hersteller-App macht das Smartphone zur Fernbedienung des Hörgeräts - und ersetzt damit für die meisten Träger das kostenpflichtige Zubehör früherer Jahre. Der Kern ist bei allen gleich: Lautstärke regeln, Hörprogramme wechseln, Klang in Grenzen nachjustieren (Höhen, Bässe, Richtwirkung), Akku- oder Batteriestand ablesen. Praktisch im Alltag sind drei Funktionen, die viele gar nicht kennen:
- Situations-Automatik per Standort: Die App merkt sich, dass Sie im Stammcafé das Störlärm-Programm nutzen, und schaltet beim nächsten Besuch automatisch um.
- "Hörgerät suchen": zeigt den letzten Ort, an dem Gerät und Smartphone verbunden waren - der Retter, wenn ein Gerät verlegt wurde.
- Tele-Audiologie: Der Akustiker justiert per Fernsitzung nach, ohne dass Sie ins Geschäft müssen. Gerade in der Eingewöhnungsphase spart das Wege.
Die Hersteller-Apps im Überblick
Jeder Hersteller hat genau eine aktuelle Haupt-App - Sie brauchen die zu Ihrem Gerät passende, eine freie Auswahl gibt es nicht:
- myPhonak (Phonak): sehr vollständige App mit Feinjustierung je Situation, Auracast-Unterstützung und Gesundheitsdaten wie Tragezeit.
- Oticon Companion (Oticon): aufgeräumt, mit Find-my-Hearing-Aid und Fernanpassung.
- Signia App (Signia): integriertes Hörtraining und der KI-"Signia Assistant", der Klangwünsche in Einstellungen übersetzt.
- Widex Moment App (Widex): schlank, fokussiert auf Programme und den lernenden "SoundSense"-Klangassistenten.
- ReSound Smart 3D (ReSound): viele Detail-Regler, gute Streaming-Steuerung fürs Zubehör.
Alle Apps sind kostenlos, ein Konto ist meist optional. Wichtig bei der Geräte-Auswahl: Wenn Sie die App-Steuerung nutzen wollen, lassen Sie sich die Kopplung schon beim Probetragen einrichten - so merken Sie vor dem Kauf, ob Bedienung und Stabilität zu Ihnen passen.
Kompatibilität: das sollten Sie vor dem Kauf prüfen
Als Faustregel laufen die aktuellen Apps ab iOS 14 und Android 11 mit Bluetooth 5.0. Zwei Stolpersteine bleiben: Ältere Android-Telefone streamen je nach Hersteller-Protokoll nicht immer direkt in beide Ohren, und der neue Standard Auracast braucht ein Smartphone mit Bluetooth LE Audio (ab iPhone 15, neuere Android-Oberklasse). Die Hersteller pflegen Kompatibilitätslisten - im Zweifel prüft der Akustiker die Kombination aus Ihrem Telefon und Wunschgerät vor Ort.
Wer kein Smartphone nutzt, verliert übrigens nichts Grundsätzliches: Alle Funktionen bis auf Streaming und Fernanpassung gibt es auch am Gerät selbst oder per klassischer Fernbedienung aus dem Zubehör.