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Schwerhörigkeit und Grad der Behinderung

Wie viel GdB bringt ein Hörverlust? Maßgeblich ist eine einzige amtliche Tabelle. Hier finden Sie sie vollständig, dazu einen Rechner, die Werte für Tinnitus und einseitige Taubheit und den Weg zum Schwerbehindertenausweis.

📅 publiziert 07·2026 🔄 aktualisiert 07·2026 ⏱ 8 min Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Der GdB richtet sich allein nach dem prozentualen Hörverlust beider Ohren, gemessen ohne Hörgeräte.
  • Schwerbehindert (GdB 50) ist, wer auf beiden Ohren hochgradig schwerhörig ist.
  • Einseitige Taubheit bei gesundem Gegenohr ergibt GdB 20.
  • Beidseitige Taubheit ergibt GdB 80, mit schweren Sprachstörungen aus Kindheitstagen 100.

GdB-Rechner bei Schwerhörigkeit

Wählen Sie für jedes Ohr den Grad der Schwerhörigkeit. Den prozentualen Hörverlust je Ohr entnehmen Sie Ihrem Audiogramm, Ihr HNO-Arzt trägt ihn dort ein. Der Rechner gibt exakt den Wert aus Tabelle D der Versorgungsmedizin-Verordnung wieder.

Grad der Behinderung 0 Kein GdB für die Hörstörung.

Orientierungswert nach Tabelle D VersMedV. Über Ihren tatsächlichen GdB entscheidet allein das Versorgungsamt, das alle Beeinträchtigungen zu einem Gesamt-GdB zusammenfasst.

Die GdB-Tabelle bei Schwerhörigkeit (Tabelle D)

Grundlage jeder Einstufung ist die Versorgungsmedizin-Verordnung, genauer die Anlage "Versorgungsmedizinische Grundsätze", Teil B Nummer 5. Deren Tabelle D ordnet den Schwerhörigkeitsgraden beider Ohren einen GdB zu. Die Tabelle ist symmetrisch: Es spielt keine Rolle, welches Ohr stärker betroffen ist.

Ein Ohr ↓ / anderes Ohr → 0 - 20 %20 - 40 %40 - 60 %60 - 80 %80 - 95 %100 %
Normalhörigkeit0 - 20 % 0010101520
Geringgradige Schwerhörigkeit20 - 40 % 01520203030
Mittelgradige Schwerhörigkeit40 - 60 % 102030304040
Hochgradige Schwerhörigkeit60 - 80 % 102030505050
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit80 - 95 % 153040507070
Taubheit100 % 203040507080

Die grün markierten Felder ab 50 bedeuten Schwerbehinderung. Ablesbar sind daran auch die vier Eckwerte, nach denen am häufigsten gesucht wird: beidseitige geringgradige Schwerhörigkeit ergibt einen GdB von 15, beidseitige mittelgradige einen GdB von 30, beidseitige hochgradige einen GdB von 50 und beidseitige Taubheit einen GdB von 80.

Wie wird der prozentuale Hörverlust ermittelt?

Der Prozentwert stammt nicht aus einem Selbsttest, sondern aus zwei Messungen beim HNO-Arzt. Das Tonaudiogramm prüft, ab welcher Lautstärke Sie einzelne Frequenzen hören. Das Sprachaudiogramm prüft, wie viele Wörter Sie bei welcher Lautstärke verstehen. Aus diesen Werten leitet der Arzt den prozentualen Hörverlust ab, und zwar über feste Umrechnungstabellen der Verordnung: Tabelle A für die sprachaudiometrischen Werte nach Boenninghaus und Röser, Tabelle B als 4-Frequenztabelle nach Röser für das Tonaudiogramm und Tabelle C für Hochtonverluste vom Typ Lärmschwerhörigkeit.

Entscheidend ist dabei ein Punkt, den viele Betroffene überrascht: Gemessen wird ohne Hörhilfen. Die Verordnung sagt ausdrücklich, dass der Umfang der Hörstörung ohne Hörgeräte zu bestimmen ist. Dass ein Hörgerät den Verlust teilweise ausgleicht, ist in den Tabellenwerten bereits eingerechnet. Wer also mit Hörgerät gut zurechtkommt, verliert dadurch keinen GdB. Wie ein Audiogramm zu lesen ist, erklärt unser Glossar-Eintrag zum Audiogramm; die Fachbegriffe der Schweregrade stehen unter Schwerhörigkeit Schweregrad.

Ab wann gilt man als schwerbehindert?

Die Schwelle liegt bei einem GdB von 50, und zwar bundeseinheitlich. Bei reinen Hörstörungen wird sie erreicht, sobald beide Ohren hochgradig schwerhörig sind, also je 60 bis 80 Prozent Hörverlust aufweisen. Ab diesem Wert steht Ihnen ein Schwerbehindertenausweis zu.

Zwei Zwischenschritte lohnen sich zu kennen. Bei einem GdB von 30 oder 40 können Sie sich bei der Agentur für Arbeit gleichstellen lassen, wenn Sie wegen der Behinderung Ihren Arbeitsplatz nicht behalten oder keinen finden können. Die Gleichstellung bringt den Kündigungsschutz und die Hilfen des Integrationsamts, aber keine Zusatzurlaubstage und keinen Ausweis. Und: Liegen mehrere Beeinträchtigungen vor, werden die Einzel-GdB nicht addiert. Das Versorgungsamt bildet einen Gesamt-GdB und prüft dabei, wie stark sich die Beeinträchtigungen gegenseitig verstärken. Ein GdB 30 für die Ohren und ein GdB 30 für den Rücken ergeben also keinen GdB 60.

Einseitige Taubheit: GdB 20

Wer auf einem Ohr taub ist und auf dem anderen normal hört, erhält einen GdB von 20. Für den Schwerbehindertenausweis reicht das allein nicht, es kann aber in einen höheren Gesamt-GdB einfließen. Versorgungstechnisch ist der Fall trotzdem gut lösbar: Bei einseitiger Taubheit überträgt eine CROS-Versorgung den Schall vom tauben auf das hörende Ohr, sodass Richtungshören und Gespräche von der tauben Seite wieder funktionieren.

Tinnitus und GdB

Ohrgeräusche werden nicht nach ihrer Lautstärke bewertet, sondern nach ihren Folgen. Die Verordnung staffelt so:

Ausprägung des TinnitusGdB
Ohne nennenswerte psychische Begleiterscheinungen0 - 10
Mit erheblichen psychovegetativen Begleiterscheinungen20
Mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z. B. ausgeprägte depressive Störungen)30 - 40
Mit schweren psychischen Störungen und sozialen Anpassungsschwierigkeitenmindestens 50

Eine gleichzeitig bestehende Hörminderung wird zusätzlich bewertet. Wer also einen GdB 20 für den Tinnitus und einen GdB 30 für die Schwerhörigkeit hat, landet nicht automatisch bei 50, sondern bekommt einen Gesamt-GdB, den das Versorgungsamt bildet. Was hinter dem Ohrgeräusch steckt, erklärt der Glossar-Eintrag Tinnitus; welche Geräte mit Noiser arbeiten, zeigt die Seite Tinnitus-Hörgeräte.

Gehörlosigkeit und das Merkzeichen Gl

Gehörlos im Sinne der Verordnung sind nicht nur Menschen mit beidseitiger Taubheit. Dazu zählen auch Menschen mit beidseitiger an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit, wenn zusätzlich schwere Sprachstörungen vorliegen, also schwer verständliche Lautsprache und ein geringer Sprachschatz. In der Regel betrifft das Menschen, bei denen die Hörstörung angeboren oder in der Kindheit erworben wurde. Sie erhalten das Merkzeichen Gl.

Das Merkzeichen ist mehr als ein Eintrag: Gehörlose haben stets Anspruch auf unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personenverkehr. War die Taubheit angeboren oder wurde sie bis zum 7. Lebensjahr erworben und hat den Spracherwerb schwer gestört, beträgt der GdB 100. Bei Erwerb zwischen dem 8. und 18. Lebensjahr sind es ebenfalls 100, sofern schwere Sprachstörungen vorliegen, sonst 80 bis 90.

Weitere Ohr-Diagnosen im GdB-Recht

DiagnoseGdB
Menière-Krankheit, ein bis zwei Anfälle im Jahr0 - 10
Menière-Krankheit, häufigere Anfälle je nach Schweregrad20 - 40
Menière-Krankheit, mehrmals monatlich schwere Anfälle50
Chronische Mittelohrentzündung, einseitig andauernde oder zeitweise beidseitige Sekretion10
Chronische Mittelohrentzündung, andauernd beidseitige Sekretion20
Verlust einer Ohrmuschel20

Bei der Menière-Krankheit gilt eine Besonderheit: Bleibende Hörstörungen und Ohrgeräusche werden zusätzlich bewertet, weil die Anfälle und der Hörschaden zwei verschiedene Beeinträchtigungen sind.

Schwerbehindertenausweis beantragen: so gehen Sie vor

  1. Audiogramm besorgen. Lassen Sie beim HNO-Arzt ein aktuelles Ton- und Sprachaudiogramm erstellen und sich den prozentualen Hörverlust je Ohr bestätigen. Ohne diese Werte kann das Amt nicht einstufen.
  2. Antrag stellen. Zuständig ist das Versorgungsamt Ihres Bundeslandes, je nach Land beim Landratsamt oder Amt für soziale Angelegenheiten angesiedelt. Der Antrag ist kostenlos, viele Länder bieten ihn online an.
  3. Alle Beeinträchtigungen angeben. Nicht nur die Ohren. Das Amt bildet den Gesamt-GdB und kann nur berücksichtigen, wovon es weiß.
  4. Bescheid prüfen. Gegen den Bescheid können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Das lohnt sich besonders, wenn einzelne Diagnosen gar nicht bewertet wurden.

Unabhängig vom GdB übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Hörgeräteversorgung bei ohrenärztlicher Verordnung mit einem Festbetrag. Ein Schwerbehindertenausweis ist dafür ausdrücklich keine Voraussetzung. Was die Kasse zahlt, steht in der Krankenkassen-Übersicht, die Preisklassen und Eigenanteile auf der Seite Hörgeräte-Preise und -Kosten.

Hinweis: Dieser Artikel gibt die Versorgungsmedizin-Verordnung wieder und dient der Orientierung. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Begutachtung. Über Ihren GdB entscheidet allein das Versorgungsamt im Einzelfall. Quelle der Werte: Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV), Anlage "Versorgungsmedizinische Grundsätze", Teil B Nr. 5 und Teil D Nr. 4, abrufbar bei gesetze-im-internet.de. Stand Juli 2026.

Häufig gestellte Fragen zum GdB bei Schwerhörigkeit

Welcher GdB gilt bei Schwerhörigkeit?
Der GdB richtet sich nach dem prozentualen Hörverlust beider Ohren. Er reicht von 0 bei einseitiger geringgradiger Schwerhörigkeit bis 80 bei beidseitiger Taubheit. Beidseitige hochgradige Schwerhörigkeit ergibt einen GdB von 50, also den Schwerbehindertenstatus. Maßgeblich ist Tabelle D der Versorgungsmedizin-Verordnung.
Ab wann ist man bei Schwerhörigkeit schwerbehindert?
Als schwerbehindert gilt, wer einen GdB von mindestens 50 hat. Bei Hörstörungen ist das der Fall, sobald beide Ohren hochgradig schwerhörig sind (60 bis 80 Prozent Hörverlust je Ohr) oder ein Ohr hochgradig und das andere stärker betroffen ist. Ab GdB 30 ist eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen möglich.
Welchen GdB bekommt man bei einseitiger Taubheit?
Bei Taubheit eines Ohres und normalem Gehör des anderen Ohres beträgt der GdB 20. Das reicht für einen Schwerbehindertenausweis nicht aus, kann aber mit anderen Beeinträchtigungen zu einem höheren Gesamt-GdB führen.
Welchen GdB gibt es bei Tinnitus?
Tinnitus ohne nennenswerte psychische Begleiterscheinungen ergibt einen GdB von 0 bis 10. Mit erheblichen psychovegetativen Begleiterscheinungen sind es 20, bei wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit 30 bis 40. Mit schweren psychischen Störungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten sind es mindestens 50. Eine bestehende Hörminderung wird zusätzlich bewertet.
Wird der Hörverlust mit oder ohne Hörgerät gemessen?
Ohne. Die Verordnung schreibt vor, dass der Umfang der Hörstörung ohne Hörhilfen zu bestimmen ist. Die Werte der Tabelle berücksichtigen bereits, dass Hörgeräte einen Teil des Verlusts ausgleichen können.
Wer gilt als gehörlos und bekommt das Merkzeichen Gl?
Gehörlos sind nicht nur Menschen mit beidseitiger Taubheit, sondern auch Menschen mit beidseitiger an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit, wenn zusätzlich schwere Sprachstörungen vorliegen. In der Regel betrifft das Menschen, bei denen die Hörstörung angeboren oder in der Kindheit erworben wurde.
Wo beantrage ich den Schwerbehindertenausweis?
Beim Versorgungsamt beziehungsweise der zuständigen Stelle Ihres Bundeslandes, oft angesiedelt beim Landratsamt oder Amt für soziale Angelegenheiten. Der Antrag ist kostenlos und in vielen Ländern online möglich. Legen Sie ein aktuelles Ton- und Sprachaudiogramm Ihres HNO-Arztes bei.