- Hausmittel überbrücken, sie heilen nicht - die Ursache klärt der Arzt mit einem Blick ins Ohr.
- Unbedenklich: trockene Wärme von außen (Zwiebelsäckchen, Kirschkernkissen) und viel Trinken.
- Tabu: Öl, Tropfen oder Watte in den Gehörgang, solange die Ursache unklar ist.
- Bei Kindern, Fieber, Ausfluss oder Hörminderung: nicht experimentieren, sondern in die Praxis.
Erst verstehen: Woher Ohrenschmerzen kommen
Ohrenschmerzen haben drei häufige Quellen, und die Hausmittel-Frage hängt komplett davon ab, welche es ist. Die Mittelohrentzündung sitzt hinter dem Trommelfell, meist als Folge einer Erkältung: pochender Schmerz, oft Fieber, typisch bei Kindern. Die Gehörgangsentzündung (Badeotitis) sitzt davor, im Gehörgang selbst: Es schmerzt beim Ziehen an der Ohrmuschel und beim Kauen, häufig nach Schwimmbad oder Wasser im Ohr. Und ein erheblicher Teil der Ohrenschmerzen kommt gar nicht vom Ohr, sondern ausgestrahlt von Zähnen, Kiefergelenk oder Rachen.
Von außen ist das nicht zu unterscheiden - dafür braucht es das Otoskop. Deshalb die Grundregel dieses Artikels: Hausmittel dürfen die Nacht bis zum Praxisbesuch erleichtern, sie ersetzen die Diagnose nicht.
Diese Hausmittel sind vertretbar
- Trockene Wärme von außen: Das klassische Zwiebelsäckchen (gehackte, angewärmte Zwiebel im Tuch aufs Ohr), ein Kirschkernkissen oder die Rotlichtlampe mit Abstand. Ehrlich gesagt: Eine belastbare Studienlage gibt es dafür nicht - aber die Wärme empfinden viele als lindernd, und äußerlich angewendet richtet sie keinen Schaden an. Wärme nur, solange sie gut tut; verstärkt sie den Schmerz, weglassen.
- Rezeptfreie Schmerzmittel: nüchtern betrachtet das wirksamste "Hausmittel". Die Auswahl und Dosierung - gerade bei Kindern - bespricht man mit Apotheke oder Arzt.
- Nase frei halten: Bei Erkältung entlastet alles, was die Ohrtrompete öffnet: abschwellendes Nasenspray für wenige Tage, Dampf inhalieren, viel trinken, Kopf beim Schlafen leicht erhöht. Das behandelt den eigentlichen Engpass, nicht nur das Symptom.
- Kauen und Gähnen: hilft bei Druckschmerz, weil es die Belüftung des Mittelohrs anregt - der gleiche Mechanismus wie beim Druckausgleich im Flugzeug.
Diese "Hausmittel" können schaden
- Öl, Zwiebelsaft oder Kamillentee in den Gehörgang träufeln: Ist das Trommelfell durch die Entzündung eingerissen - was man selbst nicht sehen kann -, landet die Flüssigkeit im Mittelohr. Nichts ins Ohr, was der Arzt nicht verordnet hat.
- Watte fest ins Ohr stopfen: staut Wärme und Feuchtigkeit und liefert Keimen ideale Bedingungen. Allenfalls locker vorlegen, um Zugluft abzuhalten.
- Wattestäbchen-"Reinigung" im schmerzenden Ohr: reizt die entzündete Haut zusätzlich und schiebt Cerumen auf das Trommelfell.
- Ohrenkerzen: ohne nachgewiesene Wirkung, dafür mit realem Verbrennungs- und Wachsrisiko direkt am Ohr.
- Aushalten und verschleppen: Eine unbehandelte bakterielle Mittelohrentzündung kann sich in seltenen Fällen auf den Knochen hinter dem Ohr ausbreiten. Rötung und Schwellung hinter der Ohrmuschel sind ein Alarmzeichen, kein Fall für Zwiebeln.
Sonderfall Kinder
Kleinkinder trifft die Mittelohrentzündung am häufigsten - ihre Ohrtrompete ist kurz und liegt flach, Erkältungskeime haben es leicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern gilt: Ohrenschmerzen sind immer ein Fall für die Kinderarzt- oder HNO-Praxis, spätestens am Folgetag, bei Fieber und starkem Schmerz sofort. Hausmittel beschränken sich hier auf Wärme von außen (wenn das Kind sie mag), Nase frei halten und altersgerechte Schmerzmittel nach ärztlicher oder apothekerlicher Rücksprache. Wiederholte Mittelohrentzündungen gehören auch deshalb abgeklärt, weil dauerhafte Paukenergüsse das Hören dämpfen - mitten im Spracherwerb. Mehr dazu im Ratgeber Hörgeräte für Kinder und beim Neugeborenen-Hörscreening.
Wann sofort zum Arzt?
- Säuglinge und Kleinkinder mit Ohrenschmerzen, besonders mit Fieber
- Ausfluss aus dem Ohr (eitrig oder blutig) - möglicher Hinweis auf ein gerissenes Trommelfell
- Plötzliche Hörminderung oder neue Ohrgeräusche - Abgrenzung zum Hörsturz
- Rötung, Schwellung oder Druckschmerz hinter dem Ohr
- Schwindel, Gesichtslähmung oder sehr starke, zunehmende Schmerzen
- Keine Besserung nach ein bis zwei Tagen Selbstbehandlung
Nach der Entzündung: das Gehör kontrollieren
Nach einer ausgeheilten Mittelohrentzündung bleibt das Hören manchmal wochenlang gedämpft, meist durch einen restlichen Paukenerguss - das normalisiert sich in der Regel von selbst. Bleibt die Dämpfung darüber hinaus, gehört das Gehör gemessen: beim HNO-Arzt oder als erste Orientierung mit unserem kostenlosen Online-Hörtest. Gerade wiederholte Ohrentzündungen sind ein Grund, das Hörvermögen im Blick zu behalten.