- Wasser im Gehörgang läuft fast immer von selbst ab - Schwerkraft und Geduld reichen meist.
- Keine Wattestäbchen: Sie schieben Ohrenschmalz vor das Wasser und sperren es ein.
- Hält das dumpfe Gefühl länger als 1 bis 2 Tage an oder kommen Schmerzen dazu: zum HNO-Arzt.
- Druckgefühl "hinter" dem Trommelfell ist meist ein Paukenerguss aus dem Mittelohr - eine andere Baustelle als Badewasser.
Warum bleibt Wasser überhaupt im Ohr stecken?
Der Gehörgang ist kein gerades Rohr, sondern ein leicht geschwungener, etwa drei Zentimeter langer Kanal, der vor dem Trommelfell endet. In seiner Krümmung kann sich Wasser durch die Oberflächenspannung festsetzen, besonders wenn Ohrenschmalz im Spiel ist: Cerumen quillt bei Wasserkontakt auf und kann den Kanal wie ein Ventil verschließen. Deshalb trifft es Menschen mit viel Ohrenschmalz, enge Gehörgänge und Hörgeräteträger häufiger - und deshalb ist das Gefühl oft einseitig.
Wichtig zur Beruhigung: Solange das Trommelfell intakt ist, kann Badewasser nicht ins Mittelohr oder gar "in den Kopf" laufen. Es steht maximal im Gehörgang - und von dort bekommt man es heraus.
7 Methoden, die Wasser sicher aus dem Ohr holen
- Schwerkraft plus Hüpfen: Kopf zur Seite, betroffenes Ohr nach unten, auf einem Bein hüpfen oder den Kopf leicht schütteln. Der Klassiker, weil er funktioniert.
- Ohrläppchen ziehen: In derselben Kopfhaltung das Ohrläppchen sanft nach unten und hinten ziehen - das streckt den Gehörgang und macht den Weg frei.
- Vakuum-Trick: Handfläche flach auf das geneigte Ohr drücken und ruckartig abziehen, wie einen Saugnapf. Der Unterdruck zieht das Wasser mit.
- Liegen und warten: Mit dem betroffenen Ohr auf ein weiches Handtuch oder Kissen legen, einige Minuten bleiben. Über Nacht erledigt sich das meiste von allein.
- Kauen und Gähnen: Kaugummi kauen, bewusst gähnen, ein paar Schlucke trinken - die Kieferbewegung verformt den Gehörgang und löst festsitzende Tropfen.
- Valsalva, sanft: Nase zuhalten und vorsichtig Luft in die geschlossene Nase pressen, wie beim Druckausgleich im Flugzeug. Hilft vor allem, wenn zusätzlich Druck auf den Ohren liegt. Nicht pressen wie beim Kraftsport - sanft genügt.
- Föhn mit Abstand: Niedrigste Stufe, lauwarm, mindestens 30 Zentimeter Abstand, wenige Sekunden. Verdunstet Restfeuchte - aber nur als letzte der Hausmethoden, die Gehörgangshaut ist empfindlich.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
- Wattestäbchen: Sie holen kein Wasser, sondern schieben Cerumen tiefer und verletzen im schlimmsten Fall das Trommelfell. Der häufigste selbstgemachte Grund, warum aus einem harmlosen Tropfen ein Arztbesuch wird.
- Spitze Gegenstände - Haarnadeln, Stifte, Schlüssel. Klingt absurd, sehen HNO-Ärzte trotzdem regelmäßig.
- Aggressives Spülen mit der Dusche oder Spritzen auf eigene Faust: Zu viel Druck kann das Trommelfell schädigen.
- Ohrenkerzen: wirkungslos gegen Wasser und ein Verbrennungsrisiko obendrein.
Wasser hinter dem Trommelfell: der andere Fall
Fühlt sich das Ohr dumpf an, ohne dass Sie geschwommen sind - oft nach einer Erkältung, beim Fliegen oder bei Allergie -, dann steht die Flüssigkeit nicht im Gehörgang, sondern im Mittelohr: ein Paukenerguss. Er entsteht, wenn die Ohrtrompete (die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachen) den Druckausgleich nicht schafft und sich Sekret hinter dem Trommelfell sammelt. Von außen können Sie daran nichts "herausschütteln".
Bei Erwachsenen bildet sich ein Erguss nach Erkältung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück; abschwellende Nasensprays (kurzzeitig), Nase-zuhalten-Druckausgleich und Wärme unterstützen. Hält das Druckgefühl oder die Hörminderung länger an, gehört es zum HNO-Arzt - auch weil ein unbemerkter Dauererguss auf die Hörleistung geht. Bei Kindern ist der Paukenerguss ohnehin ein Fall für die Praxis, weil er in der Sprachentwicklung Hörlücken reißt.
Wann zum Arzt?
- Das dumpfe Gefühl hält länger als ein bis zwei Tage an - meist blockiert aufgequollenes Cerumen, das der Arzt in Minuten entfernt.
- Schmerzen, Juckreiz, Ausfluss oder Schwellung: Verdacht auf Gehörgangsentzündung (Badeotitis) oder Ohrpilz - beides braucht Behandlung, beides wird durch Warten schlimmer.
- Fieber und pochende Ohrenschmerzen: mögliches Zeichen einer Mittelohrentzündung, siehe Ohrenschmerzen - was wirklich hilft.
- Plötzliche Hörminderung ohne erkennbaren Grund: nicht abwarten, sondern zeitnah abklären lassen - siehe Hörsturz.
Vorbeugen: für Vielschwimmer und Hörgeräteträger
Wer nach jedem Schwimmbadbesuch Probleme hat, kann mit individuell angefertigtem Schwimm-Gehörschutz vorbeugen - der gleiche Weg wie bei der Otoplastik, gefertigt vom Hörakustiker. Für Hörgeräteträger gilt doppelt: Erst das Ohr vollständig trocknen lassen, dann das Gerät einsetzen - ein feuchter Gehörgang unter dem Schirmchen ist die perfekte Brutkammer für Keime. Die Geräte selbst gehören nach Feuchtigkeit in die Trockenbox.