- Leitsymptom ist Juckreiz tief im Gehörgang, dazu Beläge und dumpfes Hören.
- Ein Ohrpilz heilt selten von allein - Reinigung und Behandlung übernimmt der HNO-Arzt.
- Hauptrisiken: Feuchtigkeit, Wattestäbchen, dauerhaft verschlossener Gehörgang (Ohrhörer, Hörgeräte ohne Pflege).
- Rückfälle sind häufig - Vorbeugung ist der halbe Erfolg.
Was ein Ohrpilz ist
Otomykose nennt die Medizin eine Pilzinfektion der Gehörgangshaut, meist durch Schimmelpilze der Gattung Aspergillus oder Hefen wie Candida. Beide Erreger sind allgegenwärtig und harmlos - bis sie einen Gehörgang finden, der ihnen Bedingungen bietet: warm, feucht, und die schützende Cerumen-Schicht beschädigt. Dann wächst der Pilz auf der Haut des Kanals, bildet Beläge und Sporen und reizt die empfindliche Haut massiv.
Typische Auslöser sind Wasser im Ohr nach Schwimmbad oder Urlaub, übertriebene "Reinigung" mit Wattestäbchen (sie entfernt den Schutzfilm und schafft Mikroverletzungen), vorangegangene antibiotische oder kortisonhaltige Ohrentropfen sowie alles, was den Gehörgang dauerhaft verschließt und das Klima darin kippen lässt - In-Ear-Kopfhörer im Dauereinsatz und ungepflegte Hörgeräte-Aufsätze eingeschlossen. Menschen mit Diabetes oder geschwächter Abwehr sind anfälliger.
Symptome: Pilz oder bakterielle Entzündung?
- Juckreiz ist das Markenzeichen der Otomykose - oft quälend, tief im Kanal, wo man "nicht hinkommt". Bei bakteriellen Gehörgangsentzündungen dominiert dagegen der Schmerz.
- Beläge und Ausfluss: weißlich-wattig, gelblich oder mit dunklen Pünktchen (Sporen) - manchmal sichtbar, meist erst im Otoskop.
- Dumpfes Hören und Druckgefühl, wenn Beläge und abgeschilferte Haut den Kanal verlegen.
- Schmerz beim Ziehen an der Ohrmuschel oder beim Kauen, wenn die Entzündung fortschreitet.
Selbst herausfinden lässt sich der Erreger nicht - und das ist der praktische Grund, warum Selbstbehandlung so oft scheitert: Gegen Pilze helfen keine antibakteriellen Mittel, gegen Bakterien keine Antimykotika, und Kortison allein kann einen Pilz sogar füttern. Die Diagnose kostet den HNO-Arzt einen Blick und im Zweifel einen Abstrich.
Behandlung: gründlich statt schnell
Die Therapie hat zwei Bausteine, und der erste ist der wichtigere: Der Arzt reinigt den Gehörgang vollständig von Belägen und Sporen, meist per Absaugung unter Sicht - die Grundlage, ohne die kein Medikament die Haut erreicht. Danach kommt ein Antimykotikum direkt in den Gehörgang: als Tropfen, Salbe oder getränkter Streifen, je nach Befund über zwei bis drei Wochen.
Rechnen Sie mit Kontrollterminen und etwas Geduld: Otomykosen gelten als hartnäckig, Rückfälle sind auch bei korrekter Behandlung häufig, weil einzelne Sporen in Hautfalten überdauern. Solange die Haut heilt, gelten dieselben Regeln wie bei jeder Gehörgangsentzündung: Ohr trocken halten, nichts hineinstecken, Duschen mit Schutz.
Hörgeräte, Ohrhörer, Otoplastik: die Hygiene-Frage
Für Hörgeräteträger ist der Ohrpilz doppelt relevant. Erstens erhöht ein täglich verschlossener Gehörgang das Risiko - umso wichtiger sind trockene Ohren beim Einsetzen und die tägliche Reinigung der Geräte samt Trockenbox über Nacht. Zweitens wird die Otoplastik oder das Schirmchen während einer Infektion selbst zum Erregerreservoir: Wer nur das Ohr behandelt und den Aufsatz weiterträgt wie bisher, infiziert sich zuverlässig neu. Aufsätze desinfizieren oder erneuern gehört darum fest zur Behandlung - der Hörakustiker hilft dabei, bei manchen Otoplastik-Materialien ist der Neuabdruck die sauberste Lösung. Dasselbe Prinzip gilt für In-Ear-Kopfhörer: regelmäßig reinigen, nicht teilen, nach Infekten Aufsätze tauschen.
Wann zum Arzt?
- Juckreiz im Gehörgang, der länger als ein paar Tage anhält oder wiederkehrt
- Sichtbare Beläge, Ausfluss oder Geruch aus dem Ohr
- Dumpfes Hören oder Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr
- Zunehmender Schmerz, Fieber oder Schwellung - Zeichen, dass mehr im Spiel ist als der Pilz
- Diabetes oder Immunschwäche: hier gehören Ohrbeschwerden grundsätzlich früh in die Praxis